Zyklen im EDV Bereich

Computer und Kommunikationstechnik haben sich in den letzten Jahren zu einem Massenartikel entwickelt. Allerorten werden PCs verkauft die jeden Bedarf abzudecken glauben machen. Die Probleme beginnen nach dem Kauf. Der mitgelieferte Virenscanner legt das halbe System lahm, Datensicherung und sinnvolle Dateiorganisation bleibt dem User überlassen und das Officepaket entpuppt sich als 60 Tage-Testversion. Macht ja nichts, nach ein paar Klicks zückt man die Kreditkarte und erhält für viel Geld eine Vollversion. Spätestens hier entpuppt sich so manches Schnäppchen als unwirtschaftlich.

Parallel dazu erhalten heute selbst Kaffeemaschinen Software Updates und Waschmaschinen verfügen über ein Betriebssystem. Ohne Anleitung geht hier nichts mehr. Kryptische Menüs, nicht für Sonderfunktionen sondern bei alltäglichen Handgriffen gehören zum Standard und beschäftigen uns auf Schritt und Tritt. Die Bedienbarkeit sinkt mit jeder neuen Generation. Was die Älteren unter uns schon länger bemerken, erfasst zunehmend auch uns Jüngere: Wir können und wollen diesem Treiben nicht länger folgen.

Zwar haben auch die Hersteller technischer Geräte diesen Umstand mittlerweile erkannt, Ihre Anstrengungen die Nutzung zu vereinfachen stehen aber allzu oft dem Marketing im Weg. Das Multitouch TFT Bedienfeld lässt sich schlicht besser bewerben als ein einfacher Knopf mit der Funktion „An/Aus“. So werden wir wohl auch weiterhin im Auto mit dem Navi kämpfen und abends vor kryptischen Fehlermeldungen der häuslichen Waschmaschine sitzen.

Im Bereich der Kommunikationstechnik kann dieser Umstand Unternehmen enorme Kosten verursachen, im Privaten mitunter sogar gefährlich werden wenn der VOIP Telefonanschluß des Superschnäppchen Billiganbieters mal wieder streikt und der Notruf dadurch nicht erreichbar ist. Sicher, das ist nicht sehr wahrscheinlich, genau wie die Finanzkrise oder der aktuelle Kreditkarten-Skandal die ja in jedem Fall die Kunden bezahlen werden, auch wenn zunächst die Banken oder der Staat einspringen.

Nachhaltiger Mehrwert kann nicht durch die maximale Nutzung von Technik erzielt werden. Es gilt hier grundsätzlich drei wichtige Punkte zu vereinen:
1: Der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Neigungen steht immer im Zentrum aller Überlegungen
2: Das notwendige Mass ermitteln, bei dem Technik und Mensch harmonisch zusammen wirken
3: Kompetente Beratung fordern um Systeme als Ganzes zu planen.

Ein derart geplantes System wird stets das Maximum an Bedienbarkeit leisten und dadurch wirtschaftlich sinnvoll sein. Das ist die Chance kleinerer Unternehmen: Mit Engagement und Hingabe wirksame und wirtschaftliche Lösungen finden, sie zeitnah umzusetzen und nachhaltig zu betreuen.

Eine weitere Auswirkung der geizgeilen Schnäppchenmentalität liegt in extrem kurzen Lebenszeiten und Produktzyklen. Immer häufiger ist Hardware bereits nach 6 Monaten nicht mehr zu bekommen, nach 2-3 Jahren sogar inkompatibel was ständige Neuanschaffungen zur Folge hat. Die Hersteller werben mit immer neuen Funktionen in immer kürzerer Zeit. Die Entwicklungszeit für diese Funktionen sinkt dabei kontinuierlich. Wir merken diese Auswirkung dann an geringer Haltbarkeit und der Unbedienbarkeit der Produkte. Selbst Produkte aus einer Generation sind oft zueinander inkompatibel, als Beispiel nenne ich nur den Bereich hochauflösendes Fernsehen oder die unsäglichen Kopierschutzverfahren in allen Bereichen moderner Medien.

Allein der Mensch, Kunde und Benutzer bleibt dabei völlig auf der Strecke. Es sollte ein Umdenken, weg vom Wegwerf-Geizgeil-Schnäppchen hin zu qualitativen Produkten für die „Made in Germany“ einst stand stattfinden. Selbst wenn der Preis höher ist, Langlebigkeit und Freude am Benutzen werden in der Gesamtbilanz schnell zeigen was tatsächlich wirtschaftlich und somit nachhaltig und mehrwertig ist.